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Bürgerentscheid
zum Verkauf des Kanalvermögens am 28. 09. 2003
verdi
Oberhausen nimmt Stellung:
Oberhausen
erlebt den ersten Bürgerentscheid. Sie, liebe Mitbürger, haben zu entscheiden,
ob das hochrentable Kanalvermögen und die zuständigen Betriebsteile der
Wirtschaftsbetriebe Oberhausen an die ebenfalls öffentlichen Abwasserverbände
veräußert werden.
Zur
Erinnerung:
Bis
1996 hat die Stadt Oberhausen ihre Kanäle selbst unterhalten, dann wurden die
Wirtschaftsbetriebe Oberhausen (WBO) gegründet, an denen die Stadt mit 51 %
beteiligt ist. Ziel war es, durch öffentlich-private Zusammenarbeit eine
optimierte Aufgabenerledigung im Interessen von Bürgerinnen und Bürgern zu
organisieren. Seinerzeit haben Oberbürgermeister und Politik erklärt, WBO ist
das zukunftsweisende Optimum für Bürgerinnen und Bürger sowie die Beschäftigen.
Stadt
will wirtschaftlichen Nutzen an Kanälen veräußern
Die
Stadt hat sich nach einem aufwändigen gutachtlichen Verfahren dafür
entschieden, den wirtschaftlichen Nutzen an den Kanälen zu veräußern. Sie
erhält dafür voraus-sichtlich den sogenannten Wiederbeschaffungswert in Höhe
von rund 263 Mio €. Damit soll ein Teil des riesigen Haushaltsloches gestopft
werden. Noch im Jahr 2002 war sich der Rat der Stadt einig: ein Verkauf der
Kanäle zu einem Preis unter 325 bis 400 Millionen Euro kommt nicht in Betracht.
ver.di
erhält auf Fragen unzureichende Antworten
Ver.di
Oberhausen hat dazu eine Reihe Fragen gestellt, von denen viele bisher nicht
hinreichend beantwortet worden sind. In einem offenen Brief zur Ratssitzung am
31. März 2003 heißt es u. a.
„Die
Berechnung der Haushaltsentlastung, die durch den Verkauf erzielt werden soll,
ist nicht plausibel. So wird die
Annahme einer jährlichen Ausschüttung von 300.000 Euro von WBO an die Stadt
Oberhausen zugrunde gelegt. Die Ausschüttung für das Jahr 2002 wird aber über 1
Million Euro liegen – die Tendenz ist steigend.
Ihre
eigenen Erwartungen an einen Konsolidierungsbeitrag der WBO von jährlich bis zu
4 Millionen Euro (Haushaltskonsolidierungskonzeptes 2002) wurden in der
Berechnung nicht mit berücksichtigt.
Gebührenerhöhungen
sollen ausgeschlossen sein. Es ist nicht bekannt, wie dieses Ziel bei üblicher
Gebührenkalkulation unter Berücksichtigung der vorzunehmenden Abschreibung und
Berechnung kalkulatorischer Zinsen erreicht werden soll.“
Reaktionen seitens der
Politik gibt es dazu bisher nicht.
Risiken
für Bürgerinnen und Bürger bei der Gebührenberechnung
Gebührenerhöhungen
sind ausgeschlossen, so heißt es ganz lapidar im Beschluss des Rates. Nun
entscheidet der Rat der Stadt Oberhausen allerdings nicht über das Wesen von
Gebührenrechnungen an sich. Die Regeln des Gesetzgebers werden von Gerichten
ausgelegt und sind für die Stadt Oberhausen bindend.
Zur
Zeit werden die Grundlagen für Gebühren (Kalkulatorische Zinsen und
Abschreibung) prozentual von einem (Buch)Wert der Kanäle von 119 Millionen Euro
berechnet. Der neue wirtschaftliche Eigentümer wird mittelfristig seinen
Kaufpreis von ca. 263 Millionen Euro zugrunde legen und darauf angewiesen sein,
die von Gerichten zugestandenen Abschreibungs- und Zinssätze auszunutzen.
Politiker
haben diese -entscheidende- Frage, wie
in dieser Situation eine Steigerung der Gebühren ausgeschlossen werden soll,
nicht beantwortet.
Die Ursachen der katastrophalen Finanzsituation in
Oberhausen und anderen Städten liegen im wesentlichen in
- Ausfällen von Steuern nach einer verfehlten Politik der
Regierungen Kohl und Schröder
- zu tragenden verdeckten Kosten der strukturbedingten
Arbeitslosigkeit im Rahmen von Aufwändungen der Sozialhilfe
- einer Verteilung der Lasten des Fonds Deutsche Einheit,
die auf eigene Strukturschwächen keine Rücksicht nimmt
Nur eine Gemeindefinanzreform, die den Namen auch
verdient, wird die finanziellen Probleme Oberhausens lösen – zur Zeit finden
Spitzengespräche bei Finanzminister Eichel statt.
ver.di am 31. 03. 2003: Diese Vorlage zum Verkauf der
Kanäle ablehnen!
Der offene ver.di - Brief zur Ratssitzung am 31. 03. 2003 endet mit dem
Appell an die Politiker im Rat der Stadt:
Lehnen
Sie die Vorlage ab, im Interesse der eigenen Glaubwürdigkeit, vor allem aber im
Interesse der Oberhausener Bürgerinnen und Bürger!
ver.di begrüßt Interesse von Bürgerinnen und Bürgern – An
Bürgerentscheid beteiligen!
Die Probleme des Strukturwandels im Ruhrgebiet, und das beinhaltet die Steuerschwäche der Gemeinden, sind durch Bund und Länder zu lösen. Kronzeuge für diese Forderung ist der Ministerpräsident des Landes.
Nutzen Sie den Bürgerentscheid am 28. September 2003. Sie können deutlich machen, dass Sie gegen einen öffentlichen Ausverkauf sind.
Bürgerinnen und Bürger, die ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen, werden den Druck auf Politiker/innen erhöhen, überfällige Probleme der kommunalen Finanzen endlich zu lösen.
Sprechen Sie
mit Freunden, Arbeitskollegen, Nachbarn!
Nehmen Sie die
Chance wahr, Politik in Oberhausen selbst zu gestalten!
Beteiligen Sie
sich am Bürgerentscheid am 28. September 2003!